Genre, Genre, du musst wandern…

Vor kurzem hat mich eine Autorenkollegin, nachdem ich ihr erzählte, dass ich an meinem Urban Fantasy Projekt schreibe, erstaunt gefragt: „Urban Fantasy? Ich dachte, du schreibst Paranormal Romance?“
Woraufhin ich doch ins Grübeln kam. Als ich vor knapp sechs Jahren mit meinem ersten Roman loslegte, wusste ich nur: „Ich will sowas witziges wie Prattchet schreiben, und so hintergründig wie Gaiman und so sexy wie Villefranche und das alles in einer großen Stadt – yeehaw!“
Dass Neil Gaiman beispielsweise mit einer der ersten „Urban Fantasy“ Autoren war (auch wenn das damals noch nicht so hiess), wusste ich damals nicht und in meiner Naivität hätte ich damit wahrscheinlich auch nicht viel anfangen können.
Urban Fantasy war eine Neuerung – eigentlich bezeichnet das jede Art von Fantasy, die in einer Stadt spielt, aber es wurde schnell zum Schlagwort für fantastische Themen in modernem Setting.
Nachdem die Urban Fantasy sich durch diverse Beststeller in den Buchhandlungsregalen etabliert hat (Harry Potter, Twilight etc.) begannen die ersten Subgenre zu spriessen. Allen voran die Paranormal Romance, gerne auch als Romantasy verunglimpft/gehätschelt.
Viele viele Genres – wer soll da noch durchblicken? Und vor allem, sind sie wirklich nötig? Gerade die Frage, wo der Liebesroman mit paranormalem Hintergrund anfängt und wo Fantasy aufhört steht immer wieder im Raum.
In Darkstar’s Fantasy Blog gibt es eine sehr interessante und spannende Diskussion dazu: http://www.fantasy-news.com/2010/11/29/urban-fantasy-romantasy-paranormal-romance/
Olga Krouk hat dazu auch ein Interview geführt: http://www.fantasy-news.com/2011/02/12/paranormal-romance-interview-mit-anja-arendt-lyx/
Meine zwei Cent dazu: Als Autor möchte ich mich ungern in ein Genre pressen lassen. Das heisst nicht, dass ich nicht in eine bestimmte Richtung schreibe, aber ich versuche, mich nie zu sehr von den fiktiven Gesetzen dieser ganzen Subgenres einengen zu lassen. Sie können Hilfslinien sein, aber auf keinen Fall das Buch bestimmen.
Im Endeffekt möchte ich nur eines: Den Leser mit einer witzigen, hintergründigen, sexy Geschichte unterhalten 🙂

Advertisements

7 Kommentare zu “Genre, Genre, du musst wandern…

  1. Hmm. Zum einen fühl ich mich grad ziemlich blöd, weil ich von diesen Genres jetzt zum ersten Mal konkret was höre. Irgendwie sollte ich mehr auf diesem Gebiet wissen 😀 Aber dann denke ich auch, dass diese Genre-Einteilung vielleicht gar nicht so wichtig ist. Für mich jedenfalls ist sie es nicht. Mich kümmert es einfach nicht. Wenn ich schreibe, achte ich nicht auf Genres oder andere Richtlinien. Überhaupt klingt Richtlinien so einschränkend. Und ich denke, dass so ’ne Einteilung in Genre auch sehr viel mit einem Aspekt zu tun hat, den man auch Interpretation nennen könnte. Jedenfalls sollte so eine Einteilung erst nach der Enstehung/ Fertigstellung eines Buches stattfinden.
    Ich wünsch dir auf jeden Fall viel Spaß beim Schreiben, egal was es nun wird 🙂

    • Also blöd sollte man sich auf gar keinen Fall vorkommen, nur weil man diese ganze Genrezugehörigkeiten nicht kennt 😉
      Ich glaubem, als Autor macht man sich sowieso nicht soviele Gedanken darum. Problematisch ist einfach nur, dass Verlage schon vorab bei der Bewerbung wissen wollen, wo man sein Buch einordnet 😦

  2. *malwiedereinenWebsiteausflugmachstattzuarbeiten*

    You took the words right out of my mind … *trällersing*

    Meine Rede, meine Rede! Grenzen, wer braucht denn schon Grenzen, schon gerade beim Schreiben. Aber manche Menschen brauchen das wohl, dem Ding immer einen hippen neuen Namen geben zu müssen. Solange wir uns nicht gar so arg verlaufen und noch wissen, wohin unserer Storys wollen, ist es wirklich worscht wo es im Grunde hingehört. Hauptsache der Leser hat seinen Spaß damit. 😉

    Nur meine 2 Cent dazu *lach*

    *umarmungschickundschnellwiederbacktothelaktorat*

    Jazz

  3. Ich finde es immer interessant, wie sehr Schubladen (okay, klingt ein wenig negativ, die Bezeichnung), Grenzen und Ähnliches verteufelt werden. Ich persönlich habe keine Hemmungen zuzugeben, dass ich die Schubladen mag. Wenn ich in einem Supermarkt Pralinen kaufe, dann möchte ich in der Packung auch keine Chips vorfinden. Nicht, dass ich Chips nicht mögen würde, aber als ich die Schachtel gekauft habe, wollte ich eben Pralinen haben. Und wieviele Variationen von Pralinen gibt es – unglaublich. Ist das nicht schön? Sie müssen doch alle nicht unbedingt aus Schokolade mit einer Nougat-Füllung sein – das sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.
    Auch als Autor entdecke ich gerade, dass „Schubladen“ meine Kreativität unglaublich fördern und mich als Autor herausfordern. Gerade vor Kurzem passierte das, als ich eine RS-Leseprobe schreiben durfte (den Bericht dazu gibt es in meinem Blog). Und, kaum zu glauben, gerade die Anforderungen dieser Schublade haben der Leseprobe die Würze gegeben, die nötig war. Gerade durch die Schublade hat die Leseprobe angefangen zu prickeln und hat mich begeistert.
    Was natürlich nicht bedeutet, dass man sich auf Experimente vollkommen verzichten und nur noch nach Schema F schreiben sollte. Ich glaube, es hängt davon ab, wie man „Schublade“ überhaupt definiert. Vielleicht fühlt sie sich eng an, weil man im Dunklen nicht sieht, dass sie viel größer ist, als man denkt? 😉

    Nachdenkliche Grüße,
    Olga

    • Verteufelt klingt aber auch ein bisschen hart – Schubladen/Genreeinteilungen in allen Ehren, was mich persönlich einfach irritiert sind die tausendschaften von Untergenres, die wie Pilze aus dem Boden spriessen. Urban Fantasy->Urban Fantasy Romance->Dark Urban Fantasy Romance etc. pp.
      Man muss nicht allem einen Namen geben, um es gut zu machen. Bei Pralinen reicht ja auch eine große Schachtel und nicht viele kleine Schachteln in einer großen 😉
      (Das Thema ist wirklich spannend!)

      • „Verteufeln“ ist keineswegs auf dich bezogen, sondern eher allgemein – man trifft eher selten die Meinung: Ui, Schubladen – toll!

        Die vielen Bezeichnungen sind mehr oder minder inoffiziell, die Verlage versuchen einfach zu verdeutlichen, worauf sich der Leser einlassen soll, wenn er ein konkretes Buch kauft. Zumindest sehe ich das so. Es ist in meinen Augen nicht dafür gedacht, etwas „gut“ zu machen. (Wobei eine gute Bezeichnung auch vieles ausmachen kann. Sieh dir „Romantic Thrill“ an. Damit können die Leser schon etwas anfangen, mit dem ursprünglichen „Romantic Suspense“ – eher weniger.) Ich sehe das Ganze nicht wie eine große Schachtel mit vielen kleinen Schachteln drin, sondern eher als eine Unterbezeichnung. Du kaufst also eine große Schachtel und darauf steht: Pralinen. Und drunter: „Rafaello – vollkommen ohne Schokolade“. Du weißt: Aha. Keine Schokolade. Wenn du also Schokolade willst, musst du zu einer anderen Schachtel greifen.
        An der Fleischtheke ist doch dasselbe: Ein Nacken ist etwas anderes, als ein Filet. Aber beides Schwein.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s